„Immer versucht, immer gescheitert, egal, versuch' es wieder, scheitere erneut, scheitere besser.“ „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail better.“  Samuel Beckett


Auf der Suche nach einer stimmigen Beschreibung des Lebensvollzuges im Allgemeinen, fühle ich mich bei diesem Satz von Beckett gut aufgehoben. Er fördert etwas Verdrängtes, Vergessenes zu Tage, dass keinen Platz haben darf im scheinbar selbstgewählten Umfeld der Verwertungslogik.

Nur das der Produktion und dem Konsum Nützliche hat seine Berechtigung in der funktionierenden Gesellschaft. Wie der Tod, die unwiderrufliche, endgültige Nutzlosigkeit (sieht man von einem posthumen Gebrauch von konstruierten Ressourcen wie der Grabpflege ab),  ist auch das Scheitern ein Hemmnis für die Zufriedenheit der Gesellschaft, weil es ökonomische Stagnation stimuliert, da  es uns gut geht, wenn es der Wirtschaft gut geht. 

Die Auseinandersetzung mit dem Scheitern und seinen Konsequenzen hat mehrere Ebenen. Das Getrenntsein, das Zerschmettern (scheiten, der Scheit), des nicht in einem Ergebnis manifestierten Willen führt zu dieser Chronologie, die uns zusetzt.

Das Verfehlen des Plans, setzt eine intensive durchaus problematische Mechanik in Bewegung.  An jenem Punkt der Erkenntnis, gescheitert zu sein, wollen wir nicht verweilen. Wir fühlen uns nicht wohl dabei, versagt zu haben und es beschleicht uns ein Gefühl der Schuld und der Schwäche.

Die Auseinandersetzung mit den Gründen endet möglicherweise in der Selbsttäuschung. Um nicht in diesem Jammertal zu verkümmern, suchen wir nach Gründen. Diese finden sich vorteilhaft im Außen. Um nicht unser Selbstbild zu beschädigen, spielen wir das Spiel: „Schneider leih mir die Schere“. Die heiße Kartoffel der Schuld wird so schnell wie nur möglich weitergereicht. Kausalitäten werden unserer Phantasie überlassen. Diese energieaufwendige Rechtfertigungsstrategie sichert uns den Weihnachtsbonus, aber führt uns in die Warteräume der Therapeuten. Das Unbehagen lässt sich nicht auf Dauer verbergen.

Beckett hingegen stellt sich der Frage nach der wahrlichen Geltung des Scheiterns. Er geht damit in die Offensive und befreit sich vom Mief der Negation, der Möglichkeit zu scheitern. Die Gelassenheit dem eigenen Unvermögen gegenüber ist inzwischen als Marktlücke etabliert und wird auch fruchtbar bedient. Man erfährt Linderung, wenn man bei „Fuck Up Nights“ den Ausführungen attraktiver Gescheiterter lauscht. Die Psychologie bietet in unterschiedlichen Variationen den „gesunden“ Umgang mit dem Scheitern an. Sie ist aber nicht die einzige Disziplin, die versucht das Thema für sich in Anspruch zu nehmen. In der Championsleague der Therapie steht die Kirche zur Verfügung, da sie den Gescheiterten in der Möglichkeit der Beichte und der Buse einen dringenden Neubeginn ohne Schuld gestattet. Das sie die Gebote, die zur Schuld führen verwaltet hat, sei nur erwähnt.

Um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, nur als flapsiger Chronist zu werken, der keine Lösung anbietet, will ich abschließend bemerken. Die Krücken im Außen sind durchaus nützliche Hilfsmittel im Umgang mit dem Scheitern. Die Lösung findet sich dennoch in der individuellen Reflexion, wenn es darum geht die Qualität des eigenen Willens zu erfahren. Ist es mein Wille der geschehe, dann entscheide ich, wie ich das Scheitern definiere, oder ist es ein fremder Wille der mir als der Meine verkauft wurde. Wenn ich mich entschieden habe, die Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen, so setzt das Scheitern einen intellektuellen Wachstumsprozess in Gang.

Ja, die Zweifel tauchen als Krähen immer wieder auf, doch sie ziehen weiter, werden beobachtet. Ich füttere sie nicht mit Gründen, Rechtfertigungen und Schuld, daher besteht auch keine Notwendigkeit ein Nest zu bauen.

 Mag. Michael Brandner, praktischer Philosoph in Klagenfurt

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