Künstliche Intelligenz und Algorithmen disruptieren gerade etablierte Unternehmen und transformieren unsere Arbeit grundlegend. Abteilungen, Pläne oder Organigramme werden wir bald in Museen besichtigen, Machtspiele zur Positionssicherung werden Entlassungsgründe sein und Authentizität lang gelebte Verlogenheit ersetzen. Führungskräfte werden in Zukunft nur mehr mit Authentizität, Leidenschaft und Echtheit erfolgreich sein können, vor allem wenn sie eines lernen: eigene Ängste kennenlernen, darüber zu reden und damit auch die Ängste anderer ernst nehmen.

Im Industriezeitalter waren Organisationen einem planbaren, sicheren und stabilen Marktumfeld angepasst. Organisationen wurden oft schweren Tanker ähnlich für ruhige Gewässer gebaut, schwerfällig, langsam, aber stabil. Auf einer Pyramide der „Chef“, an den delegiert wird, um zu entscheiden, zu planen, zu verteilen und zu kontrollieren. Die MitarbeiterInnen sitzen in Abteilungen, abgeteilt von den anderen, losgelöst vom Produkt und Kunden. Angst, Stagnation und Frustration sind die Folge, viele Mitarbeiterinnen machen Dienst nach Vorschrift.

Aus der Systemtheorie kennen wir aber die Macht der Systeme und deren Einfluss auf die Verhaltensökonomie der Menschen. Seit den Milgram Experimenten wissen wir, wie Systeme aus Menschen unmündige, willfährige Automaten machen können. Menschen werden dann oft zu angepassten Ausführungsmanagern, ohne Mut und Konfliktfähigkeit. Denn Systeme und Organisationen fördern Jasager und Duckmäuser, gerade um Konflikte zu vermeiden.

Oft fehlt ein „Hofnarr“, der mutig unangenehme Dinge anspricht und Fehler rechtzeitig aufdeckt, bevor sie noch größeren Schaden anrichten. Daher werden in vielen Organisationen notwendige Veränderungen an Berater oder Workshops „ausgelagert“, die meisten davon scheitern kläglich, da man Veränderungen nicht auslagern kann.

Was oft bleibt sind zermürbende Sitzungskulturen, wo nicht die Fähigsten mit den besten Ideen, sondern die Machtbewusstesten sich durchsetzen.

Auf der Strecke bleiben Mut, Authentizität und Risikobereitschaft, die Führungskräfte gerade für den digitalen Wandel benötigen.

Weder als Managementtrick noch bei einem Executivetraining sind diese Maßnahmen erlernbar, sondern nur als reife und authentische Persönlichkeit umsetzbar. Eine Führungskraft, die mutig in das Unbekannte aufbricht, die bereit ist, nicht nur Risiken einzugehen, sondern auch bereit ist zu scheitern, eine Persönlichkeit, die authentisch sich selber treu bleibt, das tut was sie sagt und damit mit hoher Glaubwürdigkeit ein Orientierungspunkt für die Mitarbeiter ist.

Wenn Organisationen alle faulen Kompromisse, Scheinaktivitäten und Pseudogeschäftigkeiten eliminieren und Führungskräfte lernen mit eigenen Ängsten und den der anderen umzugehen, dann können Organisationen wieder das werden, was sie eigentlich sein sollten: Orte der Potentialentfaltung, des kreativen Schaffens und damit Orte der Freude.

Autor: Mag. Werner Sattlegger, Founder und Director School of Life

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