Alte „command and control“ Muster in Organisationen funktionieren heute nicht mehr, Führungskräfte müssen heute anders denken und handeln, wollen Sie weiter Spitzenleistungen der Mitarbeiter ermöglichen. Ein agiles und dynamisches Umfeld verlangt heute Eigenverantwortung, Mut, Konfliktfähigkeit und eine neue Lernkultur, die mit Scheitern und Fehlern anders umgehen kann.

Der Unternehmensalltag ist aber heute noch vom Gegenteil geprägt, in der sogenannten „Lehmschicht“ des Mittelmanagements wird oft politisiert und blockiert, Führungskräfte stehen fordernden Mitarbeiter gegenüber, gleichzeitig fordern Markt und Kunden rasche Lösungen. Dieser Druck wird in den nächsten Jahren durch digitale Disruptionen noch stärker zunehmen und die Frage bleibt, was kann die Führungskraft konkret tun?

Mit Peer Counseling rasch Ergebnisse erreichen

Ein konkretes Handwerkszeug ist das sogenannte  „Peer Counseling“ (kollegiale Beratung), das wir bei unserer Arbeit immer wieder sehr gerne einsetzen und von den Führungskräften mit großer Begeisterung aufgenommen wird. In diesem Setting können einzelne Teammitglieder in einer achtsamen Haltung ganz konkrete Fragestellungen auf persönlicher, strukturelle oder inhaltlicher Ebene einbringen. Die anderen Teammitglieder stehen für den Fragesteller zur Verfügung, geben Resonanz und andere Sichtweisen. Wie auf magische Weise kann dieses Setting folgende Ergebnisse bewirken:

·      Konkrete unternehmerische Fragen werden gelöst

·      Unternehmenskultur verbessert sich

·      Teammuster werden verändert

·      Mitarbeiter bekommen andere Sichtweisen

·      Systemische Verstrickungen und Konflikte werden gelöst

·      Unbewusst wird bewusst

  Ablauf „Peer Counseling“

1.    Verteilung der Rollen

Es werden die Rollen des Moderators, des Fragestellers und der Berater vergeben. Bei wiederkehrenden Peer Counseling Sitzungen gibt es eine Vereinbarung wie dies geschehen sollte.

2.    Vorbereitung, Erheben und Auswählen der Fragestellung

Wenn sich eine regelmäßige Gruppe trifft, dann gibt es zumeist Kriterien nachdem eine Fragestellung ausgewählt wird.

3.    Situationsschilderung, Klären von Fragen und der Zielsetzung
Der Fragesteller schildert sein Thema, Problem, seine Frage so anschaulich wie möglich, damit die Berater besser verstehen, um was es geht. Die Berater hören nur zu. Verständnisfragen dürfen gestellt werden.

4.    Situationsanalyse und Hypothesen bilden
Nun hört der Fragesteller nur zu und die Berater erarbeiten erste Hypothesen, um die Ursachen für Fragestellung besser zu verstehen.

5.    Lösungen und Handlungsalternativen erarbeiten
Die Berater erarbeiten erste Lösungsansätze und Handlungsalternativen.


6.    Entscheiden und nächste Schritte planen
Nachdem der Fragesteller nur zugehört hat, gibt der Fragesteller Rückmeldung und entscheidet sich für eine Handlungsalternative und fixiert die nächsten konkrete Schritte.


7.    Ergebnisse sichern und abschließen

Die Bearbeitung einer Fragestellung sollte nicht länger als insgesamt 50 Minuten dauern, der Moderator ist für die Zeitökonomie verantwortlich.

Die Haltung im „Peer Counseling“

Vorschnelle Lösungen sind im ersten Schritt vom Peer Counseling nicht gefragt, es geht darum den Fragesteller und sein Anliegen besser zu verstehen. Der Moderator ist gefordert, dies immer in Erinnerung zu rufen. Wir forcieren das Modell des Mindful Listening, das einen Zustand des „Presencing“ erfordert. Fragesteller und Berater öffnen sich gleichermaßen für das „Neue“, indem sie sich und den anderen vollkommen wahrnehmen und in sich spüren und von innen etwas „Neues“ entwickeln lassen (vgl. Otto Scharmer, Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik, 2014)

Der Fragesteller sollte bereit sein, im Beratungsprozess nur zuzuhören und offen für neue Sichtweisen sein, ohne vorschnell seine eigenen Lösungswege anzubieten.

Die Berater konzentrieren sich auf das Wahrnehmen, Fühlen, nicht vorschnelles Interpretieren und nicht vorschnelles Analysieren. Bevor die Fragestellung nicht 100 %ig verstanden wurde, sollten keine Lösungsansätze formuliert werden.

Einen gemeinsamen Lernraum schaffen

Beim Peer Counseling wird ein gemeinsamer Lernraum geschaffen, wo in kurzer Zeit äußerst produktiv an konkreten Lösungen gearbeitet werden kann. Über die Zeit entwickeln sich bei den einzelnen TeilnehmerInnen automatisch Kompetenzen weiter wie Problemlösungsfähigkeit, Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Moderation, Intuition, Kreativität, Empathie und bringen damit die Group Mastery auf ein höheres Level.

Autoren: Manuela und Werner Sattlegger, Founder der Art of Life

Literatur

Eric Lippmann, Intervision: kollegiales Coaching professionell gestalten, Springer, 2013

Otto Scharmer, Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik, Carl Auer, 2014

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