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Life Coach

„Der schmale Grat zwischen Sieg und Niederlage - wie ich erfolgreich scheitern kann”

„Der schmale Grat zwischen Sieg und Niederlage - wie ich erfolgreich scheitern kann”

Wer könnte sich besser mit Sieg und Niederlage auskennen, als eine ehemalige Spitzensportlerin? Heute im School of Life Interview:  Claudia Strobl, Weltcup-Siegerin und Olympiateilnehmerin Ski Alpin, Vortragsrednerin & Life-Coach für ganzheitlichen Lebenserfolg. Sie ist Schoolmaster zum Thema „Der schmale Grat zwischen Sieg und Niederlage – wie ich erfolgreich scheitern kann.“

 

School of Life: Was verstehen Sie unter Lebenserfolg?

Claudia Strobl: Ich sehe den Lebenserfolg ganzheitlich. Viele Menschen meinen, wenn sie von Erfolg reden, nur den materiellen. Ich habe aber eine ganzheitliche Sichtweise und verstehe darunter insgesamt ein geglücktes Leben. Was erfüllt mich? Was macht mich glücklich?

Als Spitzensportlerin war natürlich damals meine 1. Priorität der Erfolg im Skisport. Heute hat sich das für mich gewandelt. An erster Stelle steht für mich meine Familie und meine Partnerschaft, dann mein Unternehmen.

 

School of Life: Was ist das Positive im Scheitern?

Claudia Strobl: In jedem sogenannten Scheitern ist eine Lebenserfahrung drinnen. Meine sportlichen Herausforderungen haben mich gelehrt, Scheitern als etwas Positives anzunehmen. Dadurch kann ich mich persönlich weiter entwickeln.

Ebenso empfinde ich konstruktive Kritik als sehr wertvoll. Viele nehmen Kritik zu persönlich. Trennen nicht die Botschaft vom Botschafter und sehen darin ein persönliches Scheitern. Diese Rückmeldung ermöglicht mir aber ein genaueres Hinschauen, es ist ein Hinweis, welche Eigenschaften ich noch  entwickeln, verbessern kann  Das Streben nach persönlicher Weiterentwicklung liegt in der Natur des Menschen. Auch Ich möchte aus mir und meinem Leben das Beste machen. Gerade Herausforderungen, die das Leben mit sich bringt,, sind eine ungeheure Chance und haben immer etwas Positive.

 

School of Life: Wie kann ich nun ganz konkret mit einer Situation umgehen, die ich als Scheitern empfinde?

Claudia Strobl: Manchmal braucht es einfach Zeit, bis man die konstruktive Energie aufbringt, um mit diesem persönlich erlebten Scheitern umzugehen. Da kann ein Coach sehr hilfreich sein, um in die Tiefe zu gehen und das Thema auch von einer anderen Sichtweise aufzuarbeiten.

Es bedarf eines genauen Hinschauens, um die darin „verborgene“ Botschaft erkennen zu können. Ich bewege mich sehr gerne in den Bergen und nütze die Stille, um auf eine konkrete Frage eine Lösung zu finden. Was ist die Botschaft dieser Herausforderung? Was ist das Positive daran? In uns wohnt eine unglaubliche Intelligenz. Sobald wir es uns erlauben, dieser inneren Weisheit Raum zu geben, finden wir die Antwort in uns.

Ein Coach kann unterstützen, den Prozess anzuregen. die Antwortfindet jedoch jeder in sich selbst. Manchmal braucht es Zeit und es ist energieraubend, bis du bereit bist genau hinzuschauen, hinzuhorchen, um zu verstehen was dir dieses Lebensereignis sagen möchte.

 

School of Life: In der Skiweltcupsaison 1989/90 sind Sie selbst vor dem größten Triumpf Ihrer damaligen Sportlerkarriere gestanden und dann gescheitert. Sie haben damals den Weltcupsieg an Vreni Schneider abgeben müssen, obwohl Sie eine unglaublich starke Skisaison hatten. Wie sind Sie mit diesem Tiefschlag umgegangen?

Claudia Strobl: Ich habe dieses eigene Scheitern sehr sehr lange mit mir herumgetragen. Trotz meines großartigen 2. Platzes im Gesamtweltcup Slalom fühlte ich mich lange als „Versagerin“. Heute erkenne ich darin ein sehr großes Geschenk. Es hat mich veranlasst, mich mit dem Thema Mentaltraining und Erfolgspsychologie zu beschäftigen.  Während meiner Ausbildungen zum Life-Coach habe ich mich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Meine Erfahrungen darüber gebe ich sehr gerne in Seminaren und Keynote- Speaches weiter. Die größte Niederlage meiner sportlichen Karriere war somit Ausganspunktfür meine heutige Lebensaufgabe.

 

School of Life: Nachdem Sie sich so intensiv mit dem Scheitern auseinandergesetzt haben. Fällt das nächste Scheitern leichter?

Claudia Strobl: Wenn man sich intensiv mit dem Scheitern auseinandergesetzt hat, dann kommt man mit Ereignissen, die einen aus der Bahn geworfen haben, sicherlich zukünftig leichter zurecht.

Doch Leben ist kein Stillstand. Sogenannte Probleme sind nur vorübergehende Zustände, bis ich mich persönlich so weit entwickelt habe, dass mich dieses neue Thema nicht mehr aus der Bahn wirft. Hier kommt wieder die eigene Bewertungsebene ins Spiel. Was bedeutet Scheitern für mich? Welche positive Absicht könnte dahinter verborgen sein? Worauf will mich diese Herausforderung aufmerksam machen?

Ich habe für mich verstanden, dass die ständige Weiterentwicklung zu einem geglückten Leben führt. Es ist wie das Wachstum in der Natur – ein ständiges sich neu Kennenlernen.

Es liegt in meiner persönlichen Betrachtung, ob das anstrengend ist oder nicht. Ich sehe es so, dass jede überwundene Herausforderung meinem Ziel näher bringt. Aus dem Skisport weiß ich, dass das Trainieren nicht immer lustig ist. Es ist meine eigene Einstellung, ob das Training anstrengend ist oder mich meinen selbst gesteckten Zielen näherbringt. Und selbst gesteckte Ziele zu erreichen, ist unglaublich energievoll und mit bewusst eingelegten Ruhepausen die beste Burnout Prävention.

 

School of Life: Welche Botschaft haben Sie zum Abschluss für unsere Leser?

Claudia Strobl: Es liegt mir besonders am Herzen zu sagen, wie sehr unsere Lebensqualität von unseren inneren Gesprächen abhängt. Die wenigsten wissen, dass diese Selbstgespräche großen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. Deshalb ist es so wichtig, sich die eigenen Gedanken bewusst zu machen. Wie rede ich mit mir selbst? Welche Fragen stelle ich mir ? Und welche Gefühle lösen diese in mir aus? Welche Gedankenspiralen lösen Herausforderungen die das Leben mir stellt, in mir aus? Die Qualität unserer Fragen bestimmt unsere Lebensqualität.

Disqualifiziere ich mich selbst für den Slalom meines Lebens oder bringe ich mich auf mein persönliches Siegespodest? Ich habe es selbst durch meine Gedanken in der Hand.

Das Interview für die School of Life führte Manuela Sattlegger.

 

Weiterführende Tipps:

Homepage Life Coach Claudia Strobl

Buch "So denken erfolgreiche Frauen" von Kerstin Plehwe und Claudia Strobl