Künstliche Intelligenz und Maschine Learning entwickeln sich in Zeiten der Digitalisierung mit hoher Geschwindigkeit weiter, verändern gerade Organisationen und Unternehmen radikal und grundlegend. Gerade unsere europäische Industrie oder mittelständische Unternehmen in Familienstruktur sind davon betroffen. Möglicherweise werden Unternehmen ihre Geschäftsmodell radikal und grundlegend verändern müssen. Ganz viele Menschen werden möglicherweise ihren Job verlieren, gleichzeitig Neue entstehen, wobei wir nicht genau wissen welche,  65% der Jobs in 10 Jahren gibt es heute noch nicht.

Experten streiten sich derzeit über die genauen Auswirkungen der Digitalisierung. Manche (Bitkom Verband) schlagen mit 3,4 Millionen Stellenstreichungen in den kommenden 5 Jahren Alarm. Das wären mehr als jede zehnte Stelle, jedes vierte Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern sieht sich durch die Digitalisierung gar in seiner Existenz bedroht. Eine andere Studie der OECD geht überhaupt davon aus, dass jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland durch Roboter und Software ersetzbar sein wird.  Andere wiederum (z.B. ZEW) unterstreichen, dass die Digitalisierung Unternehmen wettbewerbsfähiger macht und die positiven Auswirkungen überwiegen.

Was können Führungskräfte konkret tun?

In den letzten Jahrzehnten waren Organisationen einem planbaren, sicheren und stabilen Marktumfeld angepasst. Meistens als Pyramide in Hierarchieebenen organisiert, um Kontrolle und Planung zu sichern. In einer schnellen, komplexen und unberechenbaren Welt funktioniert dies aber nicht mehr.  Keine Führungskraft kann heute noch verlässliche Jahrespläne machen, in volatilen Zeiten weiß der Kunde oft noch gar nicht, was er überhaupt möchte.

Die Folgen sind, dass Projekte oft nicht beendet oder neu aufgesetzt bzw. die budgetierten Kosten torpediert werden.  Der Leidensdruck bei vielen Unternehmen ist groß, enorme Verschwendung von Ressourcen an der Tagesordnung, zurück bleiben frustrierte Mitarbeiter.

In einem volatilen Umfeld erweisen sich Projekte oft als Wege des Lernens, des Scheiterns oder des Weiterentwickelns, Organisationen  müssen dringend flexibler, schneller und agiler werden.

Denn Unsicherheit und Kreativität können nicht in kontrollierten Strukturen Raum bekommen, sondern in einem Rahmen der folgende Eckpunkte beinhaltet:

- flache Hierarchie und kleine Teams: selbstorganisierende Teamgrößen von 3 – 9 MitarbeiterInnen, wo in kurzen „Sprints“ (1 – 2 Wochen) die Ergebnisse nicht nur dem Management, sondern auch Stakeholdern gezeigt werden.  Nach jedem Sprint werden keine „Schuldigen gefunden“, sondern konkrete Maßnahmen für die Prozessverbesserung vereinbart. Daily Stand Ups garantieren täglich, dass man auf Spur bleibt.

- Ehrlichkeit und Transparenz: es ist allen bewusst, dass Planung nur in einem gewissen Rahmen möglich ist. Kein Aufwand für falsche Planungen, sondern radikale Transparenz, damit alle über alles Bescheid wissen. Visualisierung hilft „Arbeit sichtbar zu machen.“

- Management: es  ist nicht dazu da, Aufgaben zu verteilen und zu kontrollieren. Es ist für  die großen Leitlinien da, es kommuniziert und räumt für die Teams Widerstände für effizientes und produktives Arbeiten aus dem Weg .

Die Frage ist, wie will ich als Führungskraft in der Welt sein? Mit Scheinaktivitäten oder in lebendiger und echter Beziehung zu den MitarbeiterInnen, mit Schönfärberei oder in Offenheit und Risikobereitschaft, mit Angst bzw. Geschäftigkeit oder in der Bereitschaft zu scheitern.

Dazu muss man aber radikal Machtspiele, faule Kompromisse und die Absicherung der eigenen Position fallen lassen. Wenn man wirklich Zeitverschwendung, Ressourcenvergeudung bzw. Frustration eliminieren will, gleichzeitig die Potentiale der Menschen entfalten, Teams fördern und Spitzenleistungen ermöglichen möchte, dann müssen alle Krücken weggeschlagen werden.

Dann bleiben schonungslose Offenheit, Transparenz und Ergebnisorientierung in der beruflichen Zusammenarbeit bzw. zählen Authentizität und Ehrlichkeit in der zwischenmenschlichen Beziehung.

Und Autonomie, ein großes Wort, bedeutet in seinem griechischen Ursprung so viel wie Selbstbestimmung. Zuversicht gewinnt man, weil man sieht, dass man Luft hat, dass man atmen, sich entwickeln kann, vielleicht anfangs nur ein wenig. Das ist der Weg, der zu mehr Freiheiten führt, zum Zweifeln, Lernen, Ermöglichen. Lasst wir uns als Führungskräfte doch etwas einfallen, um Ermöglicher von Arbeit und Lernen zu werden!

Autor: Mag. Werner Sattlegger, Founder und Director der Art of Life

Angebote zum Thema:

San Francisco