Gedanken zum Jahreswechsel

Gedanken zum Jahreswechsel

Die Weihnachtstage im Schnee mit meinem Sohn haben mir etwas sehr Einfaches gezeigt:
Das Leben ist kostbar, vergänglich, manchmal zerbrechlich – und am Ende des Tages dennoch wunderbar.
Es wohnt eine Magie in diesem Dasein, die sich nicht erklären lässt. Sie entzieht sich Worten.

Tod, Krankheit, Enttäuschung und Niederlagen gehören untrennbar zum Leben, auch wenn wir das gerne verdrängen. Und gleichzeitig gibt es sie immer wieder: diese unmittelbare, bedingungslose Freude des reinen Daseins. Ohne Wollen und Müssen. Ohne Absicht oder Disziplin. Ohne Anstrengung. Einfach, weil der Moment da ist und nur eines will – gelebt zu werden.

Diese Tage im Schnee haben mir auch gezeigt, wie einfach es sein kann, Freude zu erleben, ohne einem flüchtigen Glück hinterherzuhecheln. Einem Glück, das vermeintlich im Außen liegt – oft verknüpft mit materiellen Dingen, Karriere oder Status. All das verblasst angesichts der zutiefst menschlichen Sehnsucht nach Verbundenheit und Lebendigkeit.

Denn echte Freude entsteht meiner Erfahrung nach nicht „da draußen“: nicht in der laut gewordenen Welt, nicht in der Hektik und Geschäftigkeit unseres Alltags, nicht im ständigen Geschwätz des Lästerns und Schlechtredens. Sondern in diesen zarten Momenten der Stille, in denen Freude kurz aufblitzt – sich zeigt und wieder verflüchtigt, ohne dass man sie festhalten kann.

Doch wir haben das Gegenteil gelernt. Wir glauben, alles planen und festhalten zu müssen: die Zeit, die Beziehungen, die Eltern, die Kinder, das Leben selbst – vor allem diese kostbaren Augenblicke. Selten haben wir gelernt, was im Leben oft mehr zählt: loszulassen und geschehen zu lassen.

Diese Tage haben mir auch vor Augen geführt, wie trügerisch jede vermeintliche Sicherheit ist. Führungskräfte werden heute rasch abgelöst, Unternehmen verschwinden, Krankheiten treten unerwartet auf. Wir sehnen uns nach einer Sicherheit, die das Leben uns so nicht bieten kann. Also bauen wir Scheinsicherheiten: Wir heiraten, um Liebe zu pragmatisieren. Wir versichern uns, um keinen Schaden zu erleiden. Wir nehmen vermeintlich sichere Jobs an, die sich als Schleudersitze entpuppen. Wir wollen nicht wahrhaben, dass Leben unsicher ist.

Ich bin jedoch überzeugt: Gerade in dieser Unsicherheit liegt eine andere, tiefere Form von Sicherheit. Wer leben will, muss lernen, mit Unsicherheit zu sein.

Und noch etwas ist mir in diesen Tagen bewusst geworden: Wohin man auch blickt, der Grundton unserer Zeit ist ein ansteckender Pessimismus. Krisen, Umbrüche, Rezession. Ängste drehen sich im Kreis, stecken andere an und ersticken Entwicklung oft schon im Keim. Und gleichzeitig rollt mit voller Wucht eine technologische Veränderung auf uns zu, deren Tragweite wir erst zu erahnen beginnen: Künstliche Intelligenz wird unser Leben, unsere Arbeit und unsere gesellschaftlichen Prozesse grundlegend verändern – weit mehr, als wir es uns heute vorstellen können.

Gerade deshalb brauchen wir jetzt etwas anderes als Angst oder Rückzug. Wir brauchen Perspektiven, Lebendigkeit und Mut. Vor allem für eine junge Generation, die oft orientierungslos und skeptisch in die Zukunft blickt. Nicht, indem wir Probleme kleinreden, sondern indem wir zeigen, dass Wandel auch Raum für Sinn, Gestaltung und Entfaltung eröffnet.

Denn das Leben ist – trotz allem – voller Freude und Möglichkeiten. Es geht darum, diese Fülle wieder wahrzunehmen: die Kostbarkeit jedes Moments, die Tiefe von Begegnung, die Freude am einfachen Dasein. Nicht als Konzept, sondern als gelebte Erfahrung – achtsam, präsent und mit offenem Blick für das, was möglich ist.

-In den diesen Tagen im Schnee habe ich erneut gelernt, wie schlicht und zugleich kostbar das Leben ist. Nicht, weil alles leicht wäre, sondern weil es Momente gibt, in denen wir ganz da sind. In denen Nähe entsteht, Stille Platz bekommt und spürbar wird, was wirklich zählt und bleibt.

Mehr braucht es vielleicht nicht – zumindest nicht für einen guten Anfang ins neue Jahr.


Autor: Werner Sattlegger, CEO Art of Life

Veranstaltunshinweis: Interesse an der nächsten Reise? Hinweis - Silicon Valley Learning Journey, 08.- 12. Juni, 2026
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Autor: Werner Sattlegger
Founder & CEO Art of Life

Experte für digitale Entwicklungsprozesse, wo er europäische mittelständische Familien- und Industrie-unternehmen von der Komfort- in die Lernzone bringt. Leidenschaftlich gerne verbindet er Menschen und Unternehmen, liebt die Unsicherheit und das Unbekannte, vor allem bewegt ihn die Lust am Gestalten und an Entwicklung.